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Schwabacher Tagblatt

Er täuscht das Auge und foppt das Hirn

Bau und Verfall der kathedrale

Michael Lassel

Ausstellung des Trompe-lœil-Malers Michael Lassel
ab Freitag in der Bürgerhaus-Galerie

SCHWABACH (stt) - Manche Kritiker bezeichnen ihn als „den wohl bedeutendsten
Trompe-1'oeil-Maler unserer Zeit". Ausstellungen in Paris, London und den USA untermauern diese Einschätzung. Nun zeigt Michael Lassel aus Fürth seine Bilder in der Schwabacher Bürgerhaus-Galerie. „Capriccio", so der Titel der Schau, ist bis zum 23. November zu sehen. Vernissage ist morgen Abend um 19 Uhr.

Intellektuelle Provokationen

Trompe-l'œils sind gespielte intellektuelle Provokationen. Der Beschauer wird von einem Bild getäuscht, dessen Realität im Wesentlichen von dem fiktiven Raum zwischen dem Gemälde und dem Auge des Betrachters geprägt ist. Michael Lassel verzaubert mit seinen Werken den Beschauer, schenkt ihm ungeahnte Illusionen und entreißt die gemalten Objekte der Wirklichkeit.

Die Qualität seiner Malerei, die sich technisch mit den besten Bildern der altmeisterlichen Malerei dieses Genres vergleichen lässt, führt zu dieser sprichwörtlichen Sinnestäuschung.

Verkehrte Zusammenhänge

Lassel täuscht das Auge und foppt das Gehirn. Während insbesondere Barockmaler die wirklichkeitsgetreuen Dinge in ihrer gewöhnten Umgebung zeigen, stellt Michael Lassel realistisch wirkende Gegenstände in Zusammenhänge, die es dem gesunden Menschenverstand nach nicht gibt.

Das macht den Reiz der Lassel'schen Werke aus. In dem großformatigen Gemälde „Bau und Verfall der Kathedrale" scheint ein Zirkel durch den Bildvordergrund zu schreiten, als sei er lebendig, eine Gliederpuppe mit Speer scheint sich auf ihrem marionettenartigen Pferd wie Don Quichotte zum Kampf gegen Windmühlen zu rüsten. Diese und andere kleine Szenen spielen sich vor und neben einer ruinösen gotischen Kathedrale ab.

Darüber blättert die Farbe des Himmels von der Leinwand. Aber auch das scheint nur so. Zu sehen ist nicht der wirkliche Stoff der Leinwand, sondern eine von Lassel akribisch gemalte Gewebe-Struktur. Das Ganze wirkt wie ein seltsamer Traum, in dem Wirklichkeit und Hirngespinst eine teils amüsante, teils beunruhigende Partnerschaft eingehen.

Große Miniaturen

Der Faktor Zeit, der in unserer schnelllebigen Ära eine so wichtige Rolle spielt, hat hier seine Bedeutung fast verloren. Michael Lassel „verwendet“ bis zu einem Jahr als Arbeitszeit für ein großformatiges Gemälde. Seine Bildschöpfungen sind große gemalte Miniaturen par excellence. Die manchmal altarmäßig aufgebauten Objekte verführen zum „Anfassen und Herausnehmen“. In einem Spiel von Licht und Schatten erfährt das bestimmbar Vertraute eine neue Dimension. In Glaskugeln, Lupen- und Uhrengläsern spiegeln sich raffinierte optische Effekte, die eine nahezu peinliche Akribie der malerischen Wiedergabe voraussetzt.In Michael Lassels Bildern schwingt zugleich eine Ironie mit, die jegliche präzise Deutung zurückweist. In den Kunstwerken widerspiegeln sich der Suchende und Findende, der Lachende und Weinende, ein Kommen und Gehen, Integration und Differenzierung, Explosion, Auseinanderbrechen, Zerfließen, Vergehen - häufig mit einem Vanitas-Anklang verbunden.

Das logisch-zwingende Gegenüber von Licht und Dunkelheit, Nähe und Ferne, Realität und Fiktion, gereift in kaum nachvollziehbarer Plastizität und Farbbrillanz.

Keine Fotos als Vorlagen

Im Gegensatz zur speziellen Maltechnik von Fotorealisten, die für ihre optische Täuschung Fotos als Vorlagen einsetzen, malt Michael Lassel seine Bilder alleine durch die immer währende Betrachtung aller optisch möglichen Aspekte der alltäglichen Gegenstände, ihrer Anordnung, der verschiedenen darzustellenden Materialien, dem Wechsel zwischen Licht, Schatten, Farben und Perspektive.

(J) 24. Oktober bis bis 23. November, Michael Lassel: „Trom-pe-l'œil-Malerei", Städtische Galerie Bürgerhaus, Königsplatz 29. Öffnungszeiten: Donnerstag/ Freitag, 15 bis 18 Uhr; Samstag, 10 bis 14 Uhr; Sonntag, 11 bis 14 Uhr. Vernissage am morgigen Freitag, 24. Oktober, 19 Uhr.