Haus der Kunst

Siehmalan - nach hautnah (2004) und denkmalfarbig (2005) unser dritter Ansatz durch Ausstellungsuntertitel die Neugier potentieller Besucher zu wecken. Wortspiele sind es, durch die wir die Aufmerksamkeit behutsam auf das Mauerpflänzchen Bildende Gegenwartskunst, geschaffen von lebenden - anerkannten oder nicht anerkannten Meistern der Moderne - (diese Definition gibt es im Verwaltungs- und Steuerrecht tatsächlich) - zu lenken versuchen.
Lebende Gegenwartskunst sollte wert sein angesehen, hautnah betrachtet und erfasst zu werden,
oder zum (Nach-)denken über Farbe, Monumentalität und den zeitlichen Bezug ihrer Entstehung anzuregen. Wir, die aktiv Kunstschaffenden, sind es, die in dieser Zeit globaler Vernetzung, kommunikativer fast food Übersättigung, multikultureller Einheitskost und international gleichmacherischer Boulevard-Medien-Berichterstattung, gleichsam das Zünglein an der Wahrheitswaage darstellen. Wir sind diejenigen die, zugegebenermaßen subjektiv, kommentieren und verarbeiten, was jetzt, hier, heute geschieht. Wie einst Till Eulenspiegel ist es nun unser Part, der Gesellschaft ihren Spiegel vorzuhalten, und genau wie jener begnügen wir uns freudig mit der Rolle des Narren, in dessen aberwitzigen Treiben jenes Quäntchen spöttischer Weitsicht enthalten ist, das zukünftigen Generationen beweisen wird, dass nicht alle alles goutiert haben. Kunst schaffen heißt nicht einen kurzlebigen Trend zu kreieren, sich an Modeerscheinungen anzuhängen, schnellen kommerziellen Erfolg zu erzielen. Künstler sein ist eine Berufung und ein Beruf zugleich, die Voraussetzung dafür liegen auf der Hand: neben der Begabung und kreativen Kraft bedarf es eines soliden handwerklichen Könnens, einer gewissen stoischen Sturheit, die nie das Ziel aus den Augen verliert, einer gehörigen Portion Optimismus und fast schon masochister Geduld und Leidensfähigkeit.
Dies gilt natürlich auch für das unermüdliche Engagement jenes Personenkreises, der allen Widrigkeiten zum Trotz, Jahr für Jahr ehrenamtliche Arbeit bei der Planung, Organisation und Durchführung unserer Ausstellungen in Künstlerselbstverwaltung leistet. Deshalb ein großer Dank an die Kollegen und Kolleginnen ohne deren Mitwirken sich ein derartiges Projekt nicht realisieren ließe. Unser größtes Anliegen ist Respekt, unser dringendster Anspruch besteht in der Beachtung unserer Arbeit, unser geheimster Wunsch ist Resonanz oder konstruktive Kritik zu erhalten.

Vorwort zum Katalog